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ruht auf einer ernsten Zucht. Klassische Art gedeiht nur aus beständiger Entsagung. Der ganze »Wilhelm Meister« spricht davon, und die Gedankenführung der Summa theologiae nicht minder. Immerfort muß überwunden werden: die Verführung ins Endlose, der Drang ins Unmaß, die Unordnung, das Wilde, Verworrene, Träge. Sobald diese Selbstverständlichkeit gerät, macht sie die Dinge leicht. Das Schwere leicht zu machen, aber ohne daß ihm sein Ernst und seine Herrlichkeit genommen werde; das Lastende zu freiem Stehen, das Stockende zu leichtem Schweben zu bringen - das ist klassisch. Überwindung der Schwere und Kraft zum Spiel. Mit tändelndem Wesen hat das nichts zu tun, denn dieses Leichtwerden geschieht durch ein beständiges Verbrennen. Lies, was die Regel des heiligen Benedikt von der modestia und serenitas sagt, und von der Kraft, in »unendlicher Freudigkeit der Seele und immer rascherem Lauf auf dem Weg zur Höhe emporzueilen«. Entbunden und gereift aber wird diese Kraft in der Zucht des »täglichen Dienstes«; in der stets neuen Überwindung der trägen Schwere, die in unserem Wesen wohnt. »Trägheit« nennt Benedikt die erste Sünde, die immer neue Trägheit gebiert und die in fürchtender Ehrerbietung vor dem allsehenden Auge Gottes und in stündlich erneuter Anstrengung überwunden werden muß. Von solchen Dingen war die Rede, und wir sind ihrer froh geworden. Eigentlich hätte auch von den schlimmen Möglichkeiten dieses Geistes geredet werden müssen, der Selbstgenügsamkeit, der Aufklärerei, der Weltlichkeit und Kulturseligkeit, und von manchen anderen noch. Aber es sollte ja ein Fest sein, und so haben wir es bei seinem Guten und Hellen bewenden lassen. | ||
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