Romano Guardini Online Konkordanz
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das einer zweiten, geheimnisvollen Stadt Gottes, die vom Glanz des Messias erfüllt ist.
Die heiligen Texte, die wir hier hören, sind aus dem Anhauch Gottes, aus der prophetischen Begeisterung entstanden. Wenn wir sie also richtig erfassen wollen, müssen wir in etwa versuchen, jene Schau, jene Hintereinander-Schichtung der Wirklichkeitsbereiche, jenes Sichdurchdringen der Stimmen und Gestalten nachzuvollziehen. Wenn wir im dreiundzwanzigsten Psalm den Ruf hören: »Tut euch auf, ihr alten Tore, weitet, Pforten, eure Schwellen, einziehn will der König der Ehren!« ... und die Frage: »Wer ist der König der Ehren?« ... und wieder die Antwort: »Jahwe ist der König der Ehren!«, dann müssen wir zuerst sehen, wie das Volk in jährlicher Wallfahrt nach Jerusalem zieht; der Zug vor den Toren der Stadt stehenbleibt, zwischen ihm und den Priestern drinnen sich das liturgische Gespräch entfaltet, Ruf, Frage, Antwort, sie dann eingelassen werden, und mit ihnen »Jahwe« einzieht, der »König der Ehren«, der einst an der Spitze Seines Volkes aus Ägypten heraufgezogen ist und in der Heiligen Stadt Wohnung genommen hat. Zugleich aber sollen wir die Gestalt eines andern Königs durchdringen sehen: Jesu Christi, wie Er am Palmsonntag in Jerusalem einzog, Herr und Preisgegebener zugleich. Und noch einmal eine Gestalt: die des auferstehenden Christus, wie Er als der König der kommenden Welt an die Tore der Zeit schlägt.
So werden wir das Drama des Gebetes richtig vollziehen: Indem wir nicht auf eigene Rechnung denken, aus unserem kleinen Sein, sondern uns weit machen zum Raum, in dem diese Gestalten aufsteigen; lauschend werden für die Stimmen, die sich erheben. Dann erfahren wir die Größe der Liturgie.



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