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an Wissen hat, einen Reichtum an Bildern von Vergangenem, den man aufrufen kann, ist bei mir sehr schwach entwickelt. Ich muß alles hervorbringen, aus dem Gegenwärtigen heraus. So habe ich den Wunsch, vom Vergehenden einiges zu retten. Ich fürchte aber, es wird mir nicht viel helfen, denn ich werde es kaum wieder lesen. Da kommt die andere dunkle Macht: die Schwermut, Erinnerungen machen mir Angst. Das Vergangensein ist furchtbar. Wem Gott einst gnädig ist, wird man in Ihm alles Geschehene wiederfinden. Dann ist Er mein Gedächtnis – und, so mag er es geben, im Raum der Liebe. Ich merke, daß ich eigentlich auf die Frage keine richtige Antwort gegeben habe. Warum ich dieses Tagebuch schreibe? Ich tu es eben ... Isola Vic., 5.11.53 Immer wieder kommt mir ein eigentümlicher Gedanke – aber es ist mehr als ein Gedanke: die Berührung durch eine Tatsache, daß Gott die Wahrheit ist. Doch so klingt es wie ein Gemeinplatz. Ich muß es genauer sagen. Wenn ich im Hin und Her der Selbstentschuldigungen mir sagen muß: das ist aber so und so, und es hilft nichts dagegen, dann kommt das Gefühl: die Unaufhebbarkeit dieser Tatsache oder dieses Zusammenhangs – das ist Gott. Noch einmal genauer: in dieser Unaufhebbarkeit, die Wahrheit heißt, offenbart sich Gott. »Die Wahrheit« – das ist eine Abstraktion; für eine Weise, wie Gott Er-selbst ist. Überhaupt ist die letzte Antwort – ich sage, die letzte, die gegeben wird, wenn alle anderen gegeben sind; oder die gegeben wird durch alle anderen hindurch. Die letzte Antwort auf alle Fragen lautet: das ist so, weil Gott Gott ist. Der Satz vom Horeb ist Anfang und Ende alles Denkens: »Ich bin der Ich bin«. | ||
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