Romano Guardini Online Konkordanz
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So lösen sich zwei Bereiche voneinander: jener des Seins, des Wirklichen; dieser hier des Geltenden, der Idee. *3 Beide sind gegeben, wenn auch in verschiedener Weise: jener als konkretes Ding, als Masse, Kraft und körperlich-seelischer Widerstand; dieser als Gesetz, Norm, Wert, Wesensbild.
Von beiden Ordnungen aus führt eine Linie ins Absolute, zu Gott. *4
Aus der ersten wird Gott als absolute Wirklichkeit erkannt, als eine jeder Messung sich entziehende Wirklichkeits-»Größe«, unendliche »Masse« - wenn man so sagen darf - des Seins und unendliche Intensität der Kraft.
Wird nun Gott nur oder ganz überwiegend als Wirklichkeit, Daseins- und Machtfülle gefaßt, so tritt das rationale und ethische Moment in dieser Gottesvorstellung immer mehr zurück. Das ist in der Naturreligion der Fall, sowohl in ihren groben wie ihren feiner entwickelten Formen (Pantheismus). Die Gottheit wird mehr oder weniger als Naturwesen, als blinde und notwendige Naturmacht gesehen. Angesichts eines derartigen Wesens hat der Mensch im höchsten Grad das Bewußtsein, »mit ihm rechnen« zu müssen. Er wird gleichsam vor die Existenzfrage gestellt. Das Verhältnis nimmt einen ausgesprochen realistischen Charakter an. Der Mensch muß sich fragen, wie er mit einem solchen Wesen auskommen, ja wie er überhaupt neben ihm bestehen könne. Nun ist es von vornherein aussichtslos, die Kräfte zu messen. Magie und Zauberriten stellen einen solchen Versuch dar, nur möglich, so lange die Anschauungen
*3 Inwiefern beide Ordnungen aufeinander bezogen sind und schließlich auf ein Letztes zurückgehen, kann näher hier nicht erörtert werden.

*4 Die Stufen, nach denen der Begriff des Absoluten aus dem Endlichen gebildet wird, sind die positio, negatio, superelatio: Das im Reich der Erfahrung, des Bedingten Vorhandene wird festgelegt und von Gott ausgesagt; jegliche Begrenztheit daran ausgeschlossen; der positive Gehalt »ins Absolute gesteigert«. Berechtigt ist dies Verfahren deshalb, weil Gott alles Endliche nach dem Urbild seines eigenen Seins geschaffen hat, so daß eine »Analogie« zwischen ihm und dem Geschöpf besteht.

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