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das eschatologische Moment; getragen durch eine Spannung: 1) Der Herr wird kommen, trotzdem die Welt sich als unangreifbares System gibt, und wird jene höhere Ordnung herstellen, die diese Welt als chimärisch ja unvernünftig ablehnt. 2) In mir ist ein Leben, das wird leben bleiben und zur Vollendung kommen, obgleich die Welt (und d.h. auch ich, als Stück davon) ihm gegenüber gleichgültig oder feindlich ist. Das Trotzdem, welches aus jener Erwartung und diesem Lebensbewußtsein der Welt gegenüber gesprochen wird, ist die Hoffnung. Das Askesekolleg ist nicht fertig geworden.*900 Aber ich habe gesehen, daß hier eine gute Möglichkeit liegt. Die Behandlung erst in Buddha räumt ein gut Teil Befangenheit aus, und man kann viele Teilfragen vorwegnehmen. Dann die Definition des Christlich-Eigentlichen, aus Paulus besonders. Dann die Geschichte der Christl. asketischen Haltung. Dann ihre Phaenomene. Ist Dir übrigens klar geworden, daß es zwei Deszendenzen der asketischen Haltung gibt, die monastische (mit ihrer Wandlung) sich gruppierend um die Ideen der christl. Jungfräulichkeit, Armut u. d. Gehorsams 2) die Laienaskese (»Laie« nicht als Abwesenheit des Hierarchischen, sondern als eigene Sinngestalt des Christlichen, mit dem Begriff der christlichen »Welt« verbunden, ebenfalls positiv gegenüber der negativen »Welt«), sich sammelnd um die Ideen der christlichen Ehe, Güterordnung und mündigen Verantwortung? - daß letztere eine richtige Askese ist, weil Unterordnung natürlicher Kräfte unter ein christliches Ziel; und historisch sich allmählich heraus hebend, aus einem verborgenen Stadium in immer höhere Bewußtheit, heute ins kritische Stadium tretend? Und vielleicht wird dem eine Differenzierung der Moral folgen, indem nämlich der durch Kleriker und Monastiker getragenen Moral eine zur Seite tritt, die »Welt« als eigenen, und zwar christlichen Sinnbereich zu Grunde legt, und den mündigen Laien als eigene Sinngestalt der christlichen Existenz. Hier liegen sehr wichtige Dinge. Wenn P. Placidus in M. sein wird, reden wir darüber. Im Kulturkolleg*901 bin ich gut vorangekommen. Es ist mir schwer gefallen. Aber ich habe doch allerlei gefunden. U.a. die Polarisierung von »Natur« und »Kultur« als der beiden Sphären des Menschlichen, angeregt durch Bachofen.*902 900 Askese und Christentum (M 296). 901 Grundfragen der Kulturphilosophie (M 296). 902 Vgl. Br. 129. Dazu veröffentlichte Guardini: Reflexionen über das Verhältnis von Kultur und Natur. (Im Anschluß an die Einleitung von Alfred Bäumler zu der Schröterschen Bachofenauswahl: Der Mythos von Orient und Okzident, München 1926), in: SchG 11 (1931), 1-14 (M 354). | ||
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