Romano Guardini Online Konkordanz
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Von der Burg
[1924]

Die Burgkapelle *1. Daß sie nicht ist, wie sie sein sollte, wissen wir schon lange. Aber auch, daß man leichter ein Familienzimmer einrichtet als eine Kapelle. Das möchten wir den Kritikern sagen. -
Nun wollen wir aber ans Werk gehen. Die Aufgabe ist diese: Mit möglichst einfachen, aber echten Mitteln ein schönes Heiligtum zu schaffen, das unserer Burg lebendiges Herz sein soll. - Vor allem sollen Decke und Wände schöne, echte Farben erhalten. Dann brauchen wir einen Altar, breit, schwer, ohne Aufbau, nur mit Tabernakel und sechs Leuchtern, damit er uns so recht als Opfertisch vor Augen stehe. Über dem Altar an der Wand wahrscheinlich ein großes Kreuz, das zugleich als Altarkreuz dient. Die Seitenaltäre rechts und links sollen weg, damit nur der eine groß dasteht. Dafür sollen die breiten Wandräume durch einige schöne Blattpflanzen gegliedert werden (Kirschlorbeer oder dergl.). Die Schmerzensmutter auf dem jetzigen Altar soll links an die Wand, wo jetzt das Bild der Sixtinischen Madonna steht. Ein schlanker Holzpfeiler soll sie tragen. Kommunionbank soll weg; wir empfangen die heilige Kommunion an den Altarstufen. Dadurch wird der Raum freier. Wie es mit den Bänken wird, wissen wir noch nicht. Am liebsten hätten wir neue; schlichte, etwas niedrigere, da müssen wir noch sehen.

*1 Inzwischen hat sich ein westfälischer Holzschnitzer bereit erklärt, uns ein Kruzifix für den Hochaltar zu schnitzen, ein anderer Westfale das Holz dazu zu schenken. Eine westfälische Kunstwerkstätte will Altar und Sakristeieinrichtung schenken. Dafür müssen wir freilich die Verpflegungskosten für die Schreiner während des Burgaufenthalts aufbringen und bei den heutigen Verhältnissen auch gewiß einen Teil der Kosten für das Holz.

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