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Tagebuch - Stille Freunde Ja, von solchen will ich hier erzählen; von einigen stillen, edlen Geschöpfen, die mir in langem Umgang nahe gekommen sind. Es sind Bäume, und sie leben in einem Garten, den ich gut kenne. Daß ich es aber gleich gestehe: er hat mich Anstrengung gekostet. Es gibt verschiedenerlei Gärten; üppige, freundliche, innerlich-verschwiegene, solche, die von nützlich ordnendem Sinn zeugen und mancher Art noch. Es gibt auch strenge. Sie sind schön, aber man kann sich in ihnen nicht gehen lassen. Sie dulden keine Vertraulichkeit. Man muß Haltung wahren. So ist der Garten, von dem ich rede. Vor dem Hause öffnet sich ein weiter Blick auf eine sehr große Rasenfläche. Darauf stehen hier und da einzelne Bäume oder kleine Gruppen. Um das Ganze führt ein langer Weg unregelmäßig zwischen den Baumgruppen hin. Das ist eigentlich alles. Weder zum Weilen ladende Plätzchen noch blühend erquickende Fülle. Großer Raum und darin eine Anzahl Bäume. An und für sich eine große Zahl; im Verhältnis zur Fläche aber wenige, einzeln Stehende. Allmählich habe ich sehen gelernt, welch edle Wesen sie sind. Ich bin lange Zeit unter ihnen herumgegangen; immer den gleichen Weg. Bald unter strahlender Sonne - in den letzten Wochen waren Tage voll unsäglicher Klarheit, durchsichtiger Trunkenheit, möchte man sagen - bald unter Wolken und Regennähe; dann wieder im Frühling, wenn überall die Blüten hervorbrachen; im Sommer, wenn alles straff und prall stand; im Herbst, wenn das Laub sich färbte und fiel, und durch die Zweige hin der Raum licht wurde. Wenn man so geht, fällt der Blick bald auf diesen Baum, bald auf jenen, und immer wieder begibt es sich, daß man ihn »sieht«. Man wird von seiner Gestalt berührt, und fühlt seinen unbekümmert | ||
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