Romano Guardini Online Konkordanz
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107.
Brief vom 29.12.1927, Rothenfels.
Rothenfels 29.12.27
Lieber Joseph
Aus Rothenfels zunächst einen herzlichen Gruß.*831
Dann: Ich müßte Dich notwendig in einer Sache sprechen, die mich sehr nahe angeht, und bitte Dich herzlich, es mir zu ermöglichen. Nach Mooshausen kann ich nicht kommen; meine Zeit reicht nicht dazu. Ich muß spätestens im Lauf des Mittwochs in Berlin sein; eigentlich am Morgen des Tages. Andererseits kann ich nicht vor Montag hier fort. Das Schönste wäre, Du könntest heraufkommen; etwa am Montag hier sein. Ich könnte dann am Dienstag abend weiterfahren. Es ist allerdings kalt, aber man kann sich ja gut verwahren, und hier solltest Du es schon schön warm bekommen. Dann wäre auch die erste Bekanntschaft mit der Burg geknüpft.
Geht das aus irgend einem Grunde nicht, dann würde ich München vorschlagen, obwohl das nicht so praktisch ist. Schon deshalb, weil man da immer bei andern sein muß, und hier wären wir zu Hause. Aber es ginge. Ich führe Montag früh; Du um ein Uhr; und wir träfen uns bei der Ankunft dessen, der später kommt.
Noch einmal, es geht um etwas, was für mich sehr wichtig und unmittelbar dringlich ist. - Dann, und nicht weniger wichtig, könnte man bei der Gelegenheit über Deine Sachen reden.
Gib mit also bitte telegraphisch Bescheid, und zwar so, daß aus der, wenn bejahenden, Antwort auch hervorgeht, ob Du nach Rothenfels oder nach München kommst. Dann gebe ich sofort meinerseits Bescheid wegen der Züge, u.s.w.
Auf hoffentlich baldiges Wiedersehen
Romano


831 In der Regel traf sich über Silvester/Neujahr auf Burg Rothenfels der Leitungskreis bzw. ein kleiner Kreis zur Lektüre wichtiger theologischer und philosophischer Schriften; vgl. Br. 135. Bei der Silvestertagung 1927 sprach Guardini dreimal über »Gewissensbildung« (Gerner II, 10).

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