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Das liturgische Gebet Einführung in die Trauermetten am Karfreitagabend *29 Bevor wir mit den Trauermetten beginnen, möchte ich etwas über den besonderen Charakter dessen sagen, was hier vor sich geht. Es ist ein Gebet - aber ein Gebet eigener Art. Schlagen wir irgendein Gebetbuch auf, so finden wir da den Glaubenden, der vor den allmächtigen Gott tritt und sein Wort zu Ihm spricht. Ein einfaches Verhältnis also. Hier, in den Metten, ist das betende Tun anders gebaut. War es dort ein Ruf, ein Hingehen und Anreden, dann ist's hier ein Drama. Was hier betet, ist kein einzelner, sondern die Gemeinde; und hinter ihr, aus ihr heraus, etwas noch Umfassenderes, die Kirche. Der Raum dieses Gebetes ist nicht der einer einzelnen Seele, sondern ein unendlich viel weiterer: der Seelenraum der Kirche; die aber ist die erlöste Menschheit, die von Gott gerufene Welt. Und unendlich mehrfältig ist darin das Kommen, das Herantreten, das Rufen und Anreden. Stimmen über Stimmen erheben sich hier. Zeit hinter Zeit. Die heilige Geschichte tut sich auf. Wir aber, jeder einzelne von uns steht darin, und in seinem Geiste soll sich alles begeben. Was in dieser Stunde gefeiert werden soll, sind die »Metten«; die Matutin, das Kirchengebet des frühesten Morgens. Darin finden wir Psalmen, Gebete, Lieder alttestamentlicher Seher und Sänger. Dann Lesungen aus dem Buch des Propheten Jeremias. Darauf Wechselsprüche, Responsorien, ebenfalls aus den Psalmen genommen. Endlich ein Kirchengebet. Mancherlei Angesichter also zeichnen sich da ab; mancherlei Stimmen erheben sich. Und mancherlei Stimmen auch in den Psalmen und den prophetischen Texten selbst: des Sehers, der Freunde, der Feinde, des Volkes, Lind über allen: Gottes des Herrn. | ||
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