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Blaise Pascal. Gedanken Einführung [1937] Im abendländischen Schriftbereich gibt es einige Bücher, welche die Gewähr einer unvergänglichen Wirkung in sich tragen, weil sie aus einem geistig-religiösen Schicksal hervorgehen, das allgemein gültig ist. Sie führen zur Begegnung mit dem Wesentlichen und werden so für den, der in der richtigen Stunde auf sie trifft, selbst zum Schicksal. Dazu gehören die Apologie und der Phaidon Platons und die Bekenntnisse des Aurelius Augustinus; dazu gehört auch das Buch, dessen Übersetzung hier vorgelegt wird, die „Gedanken“ Blaise Pascals. Um das zu sein, was soeben angedeutet wurde, braucht ein Buch keine bestimmte Form zu haben. Die „Apologie“ besteht aus drei Gerichtsreden eines Angeklagten; der „Phaidon“ stellt das Gespräch von Schülern mit ihrem zum Tode verurteilten Meister dar; die „Bekenntnisse“ sind der Bericht, den ein Mann auf der Höhe seines Lebens über seinen Weg zu Gott niederschreibt. Die Form des Buches kann also ganz verschieden sein; worauf es ankommt, ist der Rang der Existenz, die sich in ihm ausdrückt, und die Größe und Reinheit, mit welcher diese ihre Entscheidung für die Wahrheit vollzieht. Pascals „Pensées“ können ihrer Form nach mit keinem der voraufgenannten Bücher verglichen werden. Streng genommen sind sie überhaupt kein „Buch“ im üblichen Sinn des Wortes, sondern eine Masse von Bruchstücken, welche die Kritik vergeblich in eine überzeugende Ordnung zu bringen sucht. Dennoch gehören sie zu jenen existenzgeborenen Schriften, von denen die Rede war. Die „Pensées“ enthalten mehrere hundert Fragmente; doch steht die Zahl nicht fest, wechselt vielmehr, je nach dem Gesichtspunkt, welcher der Sammlung zugrunde gelegt wird. Es sind Notizen und Entwürfe verschiedener Länge, vom Stichwort bis | ||
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