![]() | Treffernummer: |
< | Seite 303 | > |
Osterbeichte [1926] "Seht, jetzt ist die gnadenreiche Zeit; seht, jetzt ist der Tag des Heiles!" 2 Kor 6,2 I. Diese Worte spricht die Kirche am Beginn der Fastenzeit. Eine tiefe Wahrheit liegt in ihnen verborgen. Sie sagen uns, daß Gott seine Gnaden nicht blindlings über die Menschen ausschüttet, sondern daß er bestimmte Gnaden an bestimmte Zeiten geknüpft hat. Er hat sie über das Kirchenjahr hin verteilt, und jede Zeit im Kirchenjahr hat ihre besonderen Gnaden. Es ist damit wie mit dem Kreislauf des Jahres in der Natur draußen. Die geheimnisvollen Kräfte der Sonne und der Luft, des Wassers und des Lebens wirken auch nicht in blinder Unordnung durcheinander. Sondern im Laufe des Jahres, der Tage und Monate und Jahreszeiten erwachen sie, eine nach der anderen, nach Gottes weisem Plan, und schaffen zusammen das Aufkeimen und Aufblühen, Wachsen und Reifen alles Lebendigen. Auch das Kirchenjahr ist solch eine wunderbare Ordnung. Jeder Tag, jede Woche, jede Zeit darin hat ihre tiefe Bedeutung. Eine Gnade nach der anderen, eine Gotteskraft nach der anderen wird darin wirksam und strömt in das Menschenherz. Aber nur in das Herz derer, die auch mit dem Kirchenjahre leben; die auch verstehen, was die betreffende Zeit von ihnen verlangt, und der Gnade den Boden bereiten. Darum mahnen die Worte: "Seht, jetzt ist die gnadenreiche Zeit; seht, jetzt ist der Tag des Heils." Aber wozu ist es Zeit? Wozu mahnt uns die Fastenzeit? Wozu der heutige Sonntag, die verhüllten Kreuze, die ernsten Lieder | ||
< | Seite 303 | > |