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Die Offenbarung als Geschichte I. Die Sprache der Kirche braucht das Wort »Offenbarung« in einem zweifachen Sinne. Sie meint damit einmal jene Kunde von Gott, welche uns durch die Natur der Dinge und unser unmittelbares Erfahren zuwächst; dann aber die ausdrückliche Selbstbezeugung Gottes durch Wort und Tat, welche durch den Glauben aufgenommen wird. Uns geht es hier um den zweiten Sinn des Wortes; vom ersten soll nur so viel die Rede sein, als nötig ist, um den Unterschied hervortreten zu lassen. Die Dinge haben ihr Wesen und ihre Wirkungen. Wir erfahren ihren Einfluß, brauchen sie und schützen uns gegen sie. Daraus erkennen wir, was sie sind. Sie sind aber mehr als das. Sie weisen über sich hinaus. Sie veranlassen uns zur Frage nach dem innersten Sinn, der aus ihnen spricht und den Charakter des Geheimnisses hat; nach dem ersten Woher, aus dem sie stammen, und dem endgültigen Wohin, zu dem sie hingehen, welche beide ebenfalls dem Geheimnis angehören. Dort, wohin diese und ähnliche Fragen deuten, liegt das Göttliche. Es kann uns überall aufleuchten: in der Natur, am Menschenwerk, in uns selbst und am anderen Menschen. Es bildet den letzten Sinn der Dinge, zugleich ruft es uns von allen Dingen weg und führt uns ins Geheimnishaft-Andere. Dieses Göttliche haben die Menschen näher zu deuten versucht. Sie haben es mit den Fragen nach dem Wesen der Welt und des Menschen in Verbindung gebracht: so ist die natürliche Gotteslehre entstanden. Sie haben es in Gestalten und Geschehnissen ausgedrückt: so haben sich die Mythen gebildet. Sie haben es mit Symbolen verknüpft, die den Gang der Natur und das Leben des Menschen ausdrücken: so sind die Kulte geworden. Aus alledem spricht Weisheit und Kraft, das Leben zu | ||
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