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1. Brief vom 15.05.1908, Schmitten im Taunus. (auch 16.05.1908) (auch 17.05.1908) (auch 18.05.1908) (auch 19.05.1908) (auch 20.05.1908) (auch 21.05.1908) [von anderer Hand:] ca. 15.-22.5.08. Lieber Joseph! S'ist allerhöchste Zeit, daß ich schreibe, nicht? Jetzt sind es über 2 Monate, seit ich von Tübingen fort bin.*1 Aber die Zeit her hab' ich keine rechte Gelegenheit gehabt, obwohl ich meines Kopfwehs wegen fast nichts getan habe. Stadt und Familie sind Feinde der menschlichen Freiheit. Jetzt sitze ich im Taunus und pflege mich. Das Sommersemester hab ich ganz ausfallen lassen. Vielleicht richtet man es im Seminar so ein, daß ich nichts verliere. Paul*2 hat mir einmal geschrieben, auch über Dich einige dunkle Andeutungen gemacht von »Teufel los sein in Zeil«*3 und ähnlichem Schönem. Willst Du mir nicht ein wenig erzählen, wie es Dir geht und ging? An das abendliche Gebet denke ich. Es hat sich jetzt zu folgendem Gebetchen verdichtet; vielleicht gefällt Dirs. Sancte Joseph, interioris vitae exemplar et patronus, cuius pietati commissum fuit sanctum sancti, cum amicis meis me tibi committo; ora pro nobis, ut det nobis Dominus interioris vitae et vocationis gratias. Amen. *4 1 Guardini studierte in Tübingen drei Semester Theologie ab Wintersemester 1906/07 und lernte gleich anfangs im November 1906 Josef Weiger kennen. Ab Sommersemester 1908 sollte er bereits ins Priesterseminar nach Mainz wechseln, war aber durch körperliche Schwäche verhindert. BL 89: »Ich ging also nach dem kleinen Ort Schmitten im Taunus und lebte dort einige Monate für mich allein in den schönen Tälern und Wäldern. Mein Tagebuch aus jener Zeit könnte von einem guten und glücklichen, wenn auch von mancherlei Unerfüllbarkeit heimgesuchten Leben erzählen.« Das Tagebuch ist leider nicht erhalten. 2 Nicht ermittelt; vermutlich ein Kommilitone in Tübingen. 3 Schloß Zeil bei Leutkirch im Allgäu war der Geburtsort Weigers (geboren 10.6.1883). Seine Eltern Josef Cäsar (1844, Gutenzell, bis 18.7.1927, Zeil) und Maria Wilhelmine Weiger, geb. Schmaus (1854, München, bis 7.10.1923, Zeil) lebten dort bis zu ihrem Tod; der Vater war Domänendirektor des Fürsten Waldburg-Zeil. 4 Heiliger Joseph, Vorbild und Schützer des inneren Lebens, Deiner Frömmigkeit wurde das Heilige des Heiligen anvertraut: Mit meinen Freunden vertraue ich mich Dir an; bitte für uns, daß der Herr uns die Gnaden des inneren Lebens und der Berufung gebe. Amen. | ||
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