Romano Guardini Online Konkordanz
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Der arme Speth!*786 Frau Wilisch*787 schreibt, sie habe das Geld abgeschickt. Sorg Du doch ja, daß er es selber bekommt. Und vergeßt nicht, im gegebenen Augenblick für die Bilder einzutreten. Habt Ihr das unsere bekommen? Ich werde Dir bald die 25,- für den November schicken.

96.
Brief vom 19.11.1924, Potsdam.
Potsdam 19.11.24.
Lieber Josef
Ich hätte so viel zu erzählen. Aber Zeit und Kraft reichen nicht.
Zunächst was Lustiges: das Zentralinstitut für Erziehungswissenschaft fordert Paedagogen auf, Vorträge durch den Rundfunk zu halten - die Regierung organisiert das; durch alle möglichen Ämter und Institute - und nun soll ich das auch. Ich habe zugesagt, und bin nun begierig wie ich mir vorkomme, wenn ich in so einem Kabäuschen*788 sitze und in den Trichter hinein den Vortrag halte.*789
Vorgestern war Dr. Getzeny da.*790 Wir sprachen über allerhand; auch über Kritik von religionsphilosophischer Seite über Christentum und Kirche. Da hat sich in mir der Theologe geregt: Nach welchen Maßstäben üben die ihre Kritik? Von wo aus ist denn solcherlei Kritik möglich? Da wurde mir ganz deutlich: Was die sagen, ist Kulturphilosophie, Psychologie, Metaphysik, gut, vortrefflich, aber an den Gegenstand trägt es überhaupt nicht heran! Ich durchschaue ja die logischen und typologischen Voraussetzungen ihrer Kritik; wie sollte ich diese dann für zuständig
786 Vgl. die vorangehenden Briefe.
787 Nicht ermittelt.
788 Umgangssprachlich für: ganz enges Zimmerchen.
789 Vermutlich der Vortrag »Fragen der staatsbürgerlichen Bildung« in der ersten Sendung des »Paedagogischen Rundfunks«, eingerichtet durch das Berliner »Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht«; Gerner (II, 6) datiert ohne Begründung auf Anfang Dezember 1926.
790 Heinrich Getzeny, Theologe, Autor in den Schildgenossen und im Hochland, verfaßte zeitgleich die Rezension: »Auf dem Wege Romano Guardinis«, in: Hochland 21, 2 (1924), 637-647.

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