![]() | Treffernummer: |
< | Seite 151 | > |
Die Heiligen Wir wollen fragen, was die Heiligen sind, wie sie im christlichen Dasein stehen und was wir mit ihnen zu tun haben. Und zwar wollen wir von dem Unterschied ausgehen, der zwischen unserem Gebrauch des Wortes und dem des Neuen Testaments besteht. Wenn wir von »Heiligen« reden, kommen uns unwillkürlich Namen wie die des Denkers Augustinus, des Ordensstifters Benediktus, des Armen von Assisi, der Landgräfin Elisabeth von Thüringen oder der großen Beterin Theresia von Avila in den Sinn – jener also, deren Gestalten und Schicksale uns in den Festen des Kirchenjahres, in den Bildwerken der Gotteshäuser und in den Erzählungen der Legende begegnen. Mit ihnen verbinden wir die Vorstellung des Außergewöhnlichen. Sie sind Ausnahmewesen, durch besondere Berufung erfaßt, von ungewöhnlicher Kraft getragen, mit einer Hingabe für Gott arbeitend und kämpfend, deren der Mensch sonst nicht fähig ist, und einem Schicksal angehörig, das über jedes alltägliche Dasein hinaus ins Geheimnis führt. Wir bewundern sie, verehren sie, bitten um ihre Hilfe, empfangen von ihnen Anregung und Weisung – immer aber mit dem Gefühl, daß sie unerreichbar weit über uns stehen ... So sind wir überrascht, wenn wir im Neuen Testament dieses Wort in einer ganz anderen Weise gebraucht finden. Wie Ananias aufgefordert wird, zu Paulus zu gehen, der gerade das Damaskuserlebnis überstanden hat, antwortet er: »Herr, ich habe durch viele von diesem Manne gehört, wie viel Böses er Deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.« (Apg 9,13) Der Römerbrief richtet sich »an alle Geliebte Gottes, berufene Heilige in Rom« (1,7); der erste Korintherbrief »an die Gemeinde Gottes in Korinth, die in Christus Jesus Geheiligten, berufene Heilige, samt allen denen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen allerorten.« | ||
< | Seite 151 | > |