Romano Guardini Online Konkordanz
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Drei Ansprachen in der Osternacht *30

I. Heilige Nacht
Wir haben die Feier des heiligen Lichtes begangen. Das Feuer ist geweiht worden, Bild des neuen Lichtes, das durch Christus in der Welt aufgestrahlt ist. Dann wurde die Osterkerze verherrlicht, redendes Zeichen des Herrn, dessen Gedächtnis diese Tage gefüllt hat. Am neuen Lichte wurde die Kerze entzündet; nun steht sie hoch und strahlend da. Von ihr aber ist das Licht weitergewandert, in alle Hände, auf alle Angesichter, und der Raum ist von seiner warmen Freude erfüllt.
Aber nicht eigentlich des Lichtes wollen wir heute, in dieser Stunde gedenken, so wie es vor einem Jahr hier am gleichen Ort geschah, sondern des andern, das zu diesem Licht gehört, nämlich der Nacht.
In dem uralten, heiligen Gesang, den wir vorhin vernommen und dessen geisterfüllte Melodien uns noch immer im Gemüte tönen, dem »Exsultet«, ist viel von dieser Nacht die Rede, in welcher das Licht des auferstandenen Herrn aufgestrahlt ist. Von ihr geht der Gedanke zu einer andern heiligen Nacht: jener, da Christus der Herr geboren wurde. Die Prophetien vorhin haben von der ersten Nacht am Anfang der Welt gesprochen, aus welcher Gott das Licht herausgerufen hat. Am Ende der Zeiten aber wird eine letzte Nacht die ganze Welt in sich ziehen, und aus ihr soll das ewige Licht der neuen Schöpfung hervorbrechen.
Ein großes Geheimnis, diese Nacht!
Es gibt die böse Nacht; jene, von welcher der Anfang des Johannesevangeliums erzählt. Das Wort, welches das Leben war und das Licht, kam in die Finsternis und wollte in ihr leuchten. Die aber nahm es nicht auf. Das ist die unfruchtbare Nacht; das im Bösen verhärtete Herz; der Trotz, die Verzweiflung, die Absage an Liebe und Reue. In ihr springt kein Funke.

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