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Zwei Reden zur Trauung I. Liebe Freunde! Was Euch heute geschieht, ist ein Anfang. »Anfang« bedeutet nicht nur, daß etwas bis jetzt nicht war und von nun an ist; sondern er ist ein Geheimnis. In ihm schlägt Leben die Augen auf, tritt in sich selbst und geht voran. Und wenn der Anfang rein und stark ist, dann liegt in ihm bereits alle Fülle des kommenden Geschehens ... Am Ende steht dann wieder etwas Bedeutungsvolles: die Vollendung. Auch sie meint nicht nur, daß etwas bisher war und nun aufhört; auch Vollendung ist ein Geheimnis: daß dieses Lebendige sein Maß erfüllt hat; geworden ist, was ihm zugemessen war - wenn es das wirklich geworden ist, und nicht vielmehr sich selbst vergeudet oder verfehlt hat und nun bloß abbricht. Die Erfüllung aber meint nicht nur ein So-und-so-viel, sondern daß das Lebendige in seinem »Ende« »voll« geworden sei, geprägt und gültig, »endgültig« ... Zwischen Anfang und Vollendung aber liegt der Raum des Geschehens und das Feld des Kampfes. War der Anfang rein, dann vergeht er nicht mit dem Augenblick, worin das Lebendige angehoben hat, sondern bleibt im Neuentsprungenen gegenwärtig. Lebend geht das Lebendige von seinem Anfang fort: in die Entfaltung, in das Schaffen, in den Kampf. Wenn aber jener stark war, dann geht er mit. Er steht nicht nur vorn und bleibt als leeres Damals zurück, sondern läuft unter allem fortgehenden Geschehen hin, eine Quelle, die mit dem Fluß wandert. Sie quillt unter jedem Tun, unter jedem Widerfahren, unter jedem Wachsen und Absinken, unter Fülle und Armut; währende Quelle, | ||
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