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Gedanken über politische Bildung [1926] Dieser Aufsatz wurde vor sieben Jahren in dem Sammelband "Staatsbürgerliche Erziehung" herausgegeben von Lampe und Franke, bei F. Hirth, Leipzig 1926 veröffentlicht. Damals sprach er in eine andere politische Konstellation, als es die unsere ist. Wenn wir ihn heute wieder abdrucken, so geschieht das, weil er von einer Sache handelt, die auch für die neue politische Wirklichkeit bedeutungsvoll ist: von der Erziehung zum ganzheitlichen Denken, zur Verantwortung für das Leben der Ganzheit, die uns einschließt, kurz von der politischen Bildung. Der Staat kann nicht von oben her verwirklicht werden, - mag man das völkisch-staatliche Leben noch so gründlich durchorganisieren, mag man das Leben des Einzelnen in allen seinen Bereichen noch so restlos erfassen -, wenn dem Anspruch des Staates nicht das auf die Ganzheit gerichtete Denken und Wollen des Menschen, wenn ihm nicht sein politisches Sein entspricht. Der neue Staat betont seine erzieherische Aufgabe stärker, als es vorher geschehen ist; so fallen die Gedanken dieses kleinen Aufsatzes jetzt vielleicht auf fruchtbareren Grund als zur Zeit seiner Abfassung. Mit seiner Beziehung auf politische Formen aber, die heute überwunden sind, ist er zugleich so etwas wie ein geschichtliches Dokument. Die Schriftleitung Die Frage der politischen Erziehung wird dringlich. Einmal zeigt sich in der Bemühung um sie das neu erwachende Interesse am lebendigen Menschen überhaupt; das Bewußtsein, wieder den Menschen, in seiner ursprünglichen Bedeutung, über die lang allein gesehenen Sach- und Leistungszwecke stellen zu müssen. Dann aber wirkt darin ein unmittelbar aus dem politischen Sachgebiet selbst entspringendes Interesse. Wir spüren im politischen Leben eine eigentümliche innere Ratlosigkeit. Die in Wirksamkeit tretenden politischen Mächte sind derart | ||
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