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Tagebuch – Ravenna Was könnte ich wohl darüber sagen? Das Tatsächliche berichten die Handbücher der Kunst, und das Eigentliche ... Es gibt ein Sehen, dessen Inhalt man in Worten ausdrücken kann; ein andermal aber wird man angerührt, weiß, daß Lebendiges daraus entspringen wird, kann aber nicht sagen, was es ist ... Wenn ich auf die kurze Zeit zurückschaue, die ich in Ravenna verbrachte, so drängen sich Bilder von mancherlei Art heran; sonnenheiße Straßen; Häuser mit edlen Körpern und feinen Verhältnissen; stille Plätze voll Vergangenheit; hier und dort aufragende Türme, rund und trotzig, Burgwarten ebensoviel als Kirchtürme; das Grab dessen, der »durch die Hölle zum Himmel geschritten«, Dantes; das Grabmal des Theoderich, vom Hauch der Völkerwanderung umweht; die Mauern der Stadt, bis auf die unterste Schicht abgetragen, so daß man darüber hingehen kann, ihren scharfen Biegungen folgt und, wie verzaubert, in die Vergangenheit gelangt. Vor den Mauern aber breitet sich die Ebene aus, und man fühlt die Nähe des Meeres. Schwere Wagen kommen vom Lande herein, von großen, weißen Büffeln gezogen, mit gewaltigen Hörnern und guten, geduldigen Augen. Die Menschen aber, oft prachtvoll gewachsen und fast immer von guter, freier Haltung, gehen ruhig neben ihnen her. Drei Dinge habe ich vor allem groß in der Erinnerung. Zuerst das Grab der Galla Placidia, hinter der Kirche von San Vitale. Ein kleines Bauwerk in Gestalt des gleicharmigen Kreuzes. Alle Wandflächen waren von Mosaik bedeckt. Der Grund dunkelblau und dunkelgrün. Die Kuppel eine Herrlichkeit von goldenen Sternen. An den Seiten Pflanzenornamente und symbolische Gestalten. Im Stirnfeld, am Ende jedes der vier Kreuzarme, je zwei Apostel. Alles aber in einem | ||
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