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Die Abende im Rittersaal [1920] Von unseren Abendbesprechungen auf Rothenfels soll ich berichten. Ihr dürft es nicht länger für ungut nehmen, wenn's keinen ruhigen verständigen Bericht gibt, wie sich das eigentlich gehörte, sondern allerlei durcheinandergeht, Persönliches und Sachliches, und auch mancherlei Lichter hereinleuchten - gerade so, wie es ja gewesen ist. Ich wenigstens kann nicht auseinanderhalten, was an jenen Abenden so wundervoll sich in eins wob. Sie standen nicht im Plan, unsere Gespräche; keiner hat sie beabsichtigt. Sie sind ganz von selbst geworden. Ja, wie gings denn zu? Ich war noch kaum auf der Burg und hatte mich ein wenig umgesehen, da geriet ich mit einigen ins Gespräch. Es gab sich bald, daß wir verabredeten: »Heute abend wollen wir uns zusammensetzen und weiter darüber reden.« Das taten wir dann auch, auf einem Zimmer im Amtshaus. Von denen, die dabei waren, kannte ich fast keinen. - Später freilich habe ich mir ihre Namen umso lieber gemerkt. -Ich muß sagen, der Name war das letzte, wonach man fragte; ging es euch nicht ebenso? Sobald man merkte, da ist ein Mensch, den du ernst nehmen mußt, dann war alles andere Nebensache, Name, Beruf und Ort. Das alles waren Worte, dort droben aber fühlte man sich vor Mensch und Sache stehen. So saßen wir denn zusammen und sprachen über die Freideutschen, und wie wir zu ihnen stehen. Bald kamen wir auf das Wesentliche: Wir sind katholisch; dann, was das heißt, katholisch sein, und damit waren wir in dem Bereich, den die Abendgespräche nicht mehr verlassen sollten, der Religion. Am nächsten Abend wurde es bereits schlimm. Ich weiß nicht mehr, wie viel beisammen waren, glaub' an 40 oder 45. Die saßen eng gedrängt auf den Bänken rings an der Wand, etliche auch auf dem Boden. Von Zeit zu Zeit mußte einer aufstehen | ||
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