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Das anzunehmen, was wie Willkür erscheint; Anthropomorphismus; Zufall. Ists aber nicht! Ist überhaupt erst das Religiöse! Aber es bedarf der Kindlichkeit, das zu fassen. Das habe ich verstanden. Das Vater-sagen. Das ist etwas ganz anderes, als das All-Vater-Gefühl! Wenn man das einmal spüren könnte! Und das weitere Ärgernis, daß irgendwo, zu einer Zeit, an einem Ort, zufällig, an diesem »Menschen« die definitive Bedeutung der Offenbarung hängt. Ich habe aber auch die Kraft dieser »Dezision« gespürt. Das wahrhaft Charaktervolle. Aber begreifen! Heute habe ich die Korrekturen der heiligen Zeit fortgeschickt.*794 Das Buch wird schön. Aber in den Übersetzungen ist noch viel Totes! Consecratio Virginum übersetze ich gerade.*795 Ein mächtiges und schönes Stück Liturgie. Einige Tage habe ich schlimme Atemnot. Ganz benommen bin ich zuweilen. Weiß nicht, was machen. Man wird alt. - [fehlender Schluß] 97. Brief vom 18.06.1927, Noordwijk aan Zee. Noordwijk aan Zee 18.6.27.*796 Lieber Joseph seit ich Dir das letzte Mal geschrieben habe, ist allerlei geschehen. Als ich nach Berlin bzw. Potsdam kam, erlebte ich eine große Enttäuschung. Die Wohnung, die unter so ungewöhnlichen Schwierigkeiten 794 Heilige Zeit. Liturgische Texte aus Missale und Brevier. Dazu ein Vorwort nebenher, Mainz (Grünewald) 1925, 302 S. (M 180). 795 »Heilige Jungfräulichkeit«, in: SchG 5 (1925), 148-154 (M 187). 796 Zwischen 19.11.1924 und 18.6.1927 sind keine Briefe Guardinis an Weiger erhalten. In der Bibliothek Mooshausen befindet sich jedoch: Henri Bremond, Histoire littéraire du sentiment religieux an France. 1: L'humanisme dévot, Paris (Bloud et Gay) 1916, mit handschriftlicher Widmung: »Als Gruß und freundwillige Ankündigung des Herbstbesuches von 1925. Romano«. In Noordwijk wohnte Guardini in der Villa Kempner (s. Brief an Rudolf Schwarz vom 5. Juni 1927; Archiv Maria Schwarz, Köln): Er war um 1926 mit der sehr begüterten Berliner Familie Kempner bekannt geworden, nämlich dem Rechtsanwalt und Geheimen Justizrat sowie Präsident des deutschen Kalisyndikats Maximilian Kempner (3.6.1854, Posen, bis 11.5.1927, Amsterdam) und seiner Frau Fanny (Franziska), geb. Levy, aus Köln. Fanny Kempner schloß sich eng an Guardini und in der Folge an Weiger an. Zu Fanny K. vgl. Br. 102 und folgende. Maximilian Kempner war fünf Wochen vor Guardinis Brief auf einer Rückreise aus den USA in Amsterdam verstorben. | ||
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