Romano Guardini Online Konkordanz
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Gemeinschaftliche Andacht zur Feier
der heiligen Messe
[1920]

Zum Geleit
Pius der Zehnte sprach einmal bei einer Audienz über das Beten. Die Rede kam auch auf die hl. Messe und wie man ihr anwohnen solle. Da sagte der Papst: »Ihr sollt nicht in der Messe beten, ihr sollt die Messe beten!«
Das Wort klingt aufs erste überraschend. Was meinte der Heilige Vater damit?
Er meinte dies: Man kann die hl. Messe hören und dabei irgend etwas beten, was mit ihr zunächst gar nichts zu tun hat, auswendig, oder aus einem Buch. Das kann sehr schön sein, aber das eigentlich Richtige ist es doch nicht. Wer es so machte, der hätte bloß »in der Messe gebetet«. Da sagt nun der Papst: Die hl. Messe ist doch selbst ein Gebet, und zwar das allerhöchste, das es gibt! Es ist das Opfergebet, das unser Erlöser einst am Kreuz vollbracht hat und jeden Tag auf dem Altar erneuert. Wenn du's also gut machen willst, so mußt du mit Aug' und Herz und Mund bei dem sein, was vorn auf dem Altar vor sich geht: mußt mitbeten die heiligen Worte, die der Priester im Namen Christi, und Christus durch ihn spricht; im Herzen mitteben die heilige Gesinnung, von der seine Worte erfüllt sind; im Geiste die erhabene Handlung mitmachen. Tust du so, dann hast du »die Messe gebetet«.
Also nicht irgend etwas Beliebiges soll man beten. Ja, wenn man es ganz gut machen will, auch nicht einmal jede beliebige Meßandacht; sondern man soll so genau wie man nur kann, das mitbeten und mitdenken und mitmachen, was am Altar geschieht.
Wer so tut, der macht merkwürdige Entdeckungen.

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