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Über das Rosenkranzgebet Ein Versuch [1944?] Vorbemerkung Der nachfolgende Versuch ist aus mannigfachen Beobachtungen und Überlegungen hervorgegangen. Er will weder kritisieren noch Neuerungen einführen, vielmehr einen Weg suchen, auf dem gewisse Schwierigkeiten, welche das Rosenkranzgebet Menschen von bestimmter Veranlagung macht, überwunden werden können. Wesen und Schwierigkeiten des Rosenkranzgebetes I. Das Rosenkranzgebet ist sehr alt. Gewisse Vorformen finden sich schon im vierten Jahrhundert. Das Mittelalter entwickelt sie weiter; in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ist seine Gestalt vollendet. Es verbreitet sich rasch, und man darf wohl sagen, es sei jene Gebetsform, die am tiefsten in das Leben des christlichen Volkes eingegangen ist. Der Grund dafür liegt in seiner Struktur, welche wesentlichen religiösen Bedürfnissen entspricht. Beten, so lautet die alte Bestimmung, heißt, sein Herz zu Gott erheben. Das kann in der verschiedensten Weise geschehen; doch gibt es dafür gewisse Grundformen, die sich aus der Eigenart des Gebetsaktes ergeben. Die eine ist das mündliche Gebet, worin der Mensch Gott sagt, was er im Herzen hat: Huldigung, Bitte, Dank, Reue, guten Willen. Das Wort bildet dabei den unmittelbaren Ausdruck des Inneren und soll, nach dem Wort des Herrn, echt und sparsam | ||
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