Romano Guardini Online Konkordanz
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Die heilige Messe *51
I. Das Staffelgebet

Gott der Allreine: die Vorbereitung des Herzens

»Wenn du betest, so bereite dein Herz, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht.“ (Sir 18,23)

1. Wenn der Priester zum Altar geht, um die heilige Messe zu feiern, so sehen wir, wie er zuerst einige Vorbereitungen trifft: er stellt den Kelch zurecht und schlägt das Buch auf. Das gehört eigentlich überhaupt nicht zur Messe. Man sieht es schon daran, daß zum Beispiel im feierlichen Hochamt nicht der Priester, sondern sein Diener, der Diakon, diese Vorbereitungen besorgt.
Wenn aber nachher die eigentliche Messe beginnt, dann beobachten wir etwas Besonderes. Man sollte denken, daß der Priester gleich anfangen müßte, am Altar die heilige Handlung zu begehen. Statt dessen aber steigt er die Stufen hinab, bleibt unten stehen, und wir sehen, wie er eine ganze Weile dort betet, ernste Gebete und einige in gebeugter Haltung.
Warum tut er das? Man möchte fast meinen, er fürchte sich, hinaufzugehen. Ja gewiß, so ist es auch! Er fürchtet sich. Deshalb bleibt er noch eine Weile unten stehen. Doch, was hat er sich zu fürchten? Er will doch nichts Böses tun. Er will ja beten, will vor Gottes Angesicht das heilige Opfer darbringen! Aber das ist es ja gerade! Er will vor Gott treten, will Gott anreden - und da hält ihn die Kirche an und sagt zu ihm: Weißt du auch, was du tun willst? Weißt du auch, wer der Gott ist, den du anreden willst? Weißt du, wer du selber bist? Und welches Wagnis es eigentlich ist, den heiligen Gott anzureden? Fühlst du dich fähig und bereit, zum unendlichen Gott »Du« zu sagen und mit Ihm zu sprechen?

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