![]() | Treffernummer: |
< | Seite 259 | > |
Ein Gespräch vom Reichtum Christi [1920] Eine Zwischenbemerkung Es bedarf vielleicht der Rechtfertigung, wenn ein Stück von der Art des »Gesprächs« die Reihe dieser Versuche beschließt. Manche Gegenstände lassen sich durch bloß begriffliche Gedankenführung erschöpfen. Andere tun sich ganz erst auf, wenn zu den logischen künstlerische Mittel treten. Das sind vor allem Ereignisse und lebendige Gestalten, wie hier. Hier sollte ein wenig sichtbar werden, welche Fülle in der Gestalt des Gottmenschen beschlossen ist. Da schien die Weise des Gesprächs besonders geeignet. In einem solchen kann jede Gedankenlinie rücksichtslos durchgezogen werden. Was Seelisches widereinander steht, kann sich voll aussprechen. Scharf treten die inneren Spannungen zutage. Aber im Fortgang des Gespräches findet eine Richtung an der anderen ihr Maß. Jede gibt ihre Eigenwilligkeit auf und fügt sich mit der anderen zu einer höheren Einheit zusammen, darin nun der Gegenstand rund, voll und lebendig hervortritt. Ob das freilich hier gelungen ist, habe ich nicht zu entscheiden. Gewollt war es, und daraus schien dem »Gespräch« das Recht zu kommen, sich den anderen Versuchen anzureihen. Eine Bemerkung noch über die Technik des Dialogs. Er ist keine Abhandlung, sondern ein lebendiges Gegeneinander von Ansichten und seelischen Haltungen. Daraus erhellt, was von diesen zu halten ist: Jede hat Recht und hat Unrecht zugleich. Nicht daß sie korrekte Darlegungen geben, berechtigt die Personen, im Gespräch zu stehen, sondern daß ihre Haltung echt ist und ihre Reden zum Gesamtergebnis beitragen. Dieses aber, die Wahrheit des Gesprächs, entspringt erst dem letzten Zusammenklang der Gegensätze. Den muß der Leser selbst erschauen. Und um so reiner wird der Zusammenklang sein, um | ||
< | Seite 259 | > |