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Menschenwelt
Ein Stück aus Stifters "Nachsommer"
[1924]

Wir bringen hier ein Stück aus Stifters "Nachsommer". Die reife und reine Schönheit dieser Seiten wird Euch ans Herz sprechen. Lest das ganze Buch. In ihm wird Euch das, was die "Briefe aus Italien" unter menschlicher Kultur verstehen, in besonders liebenswerter Gestalt entgegentreten. Und in ihm veranschaulicht sich uns beispielhaft, was das Wesen eines Bildungs-Vorganges zu sein scheint; ohne daß hierdurch, was an jenem Vorgang zeitverhaftet ist, als für uns verbindlich oder auch nur vorbildhaft erklärt werden soll. - Unser Weg zur Bildung ist ein anderer. Aber es ist wirkliche Bildung, was wir dort sehen. Jedoch es ist nicht nur vergangene Zeit, sondern sogar deren "Nachsommer". Die Milde, Wehmut und auch bereits eine zarte Schwäche sinkenden Lebens liegt über dieser Welt. Was in den "Briefen" gemeint ist, deckt sich also nicht mit ihr. Aber aus Stifters Buch spricht etwas her, was uns besonders köstlich erscheinen muß: Das Bild eines in maßvoller Beschränkung heraufwachsenden reichen und einheitlichen Menschenlebens.




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