![]() | Treffernummer: |
< | Seite 279 | > |
112. Brief vom 14.07.1928, Potsdam. Potsdam 14.7.28. Lieber Joseph Gerade habe ich Pascals Discours sur les passions d'amour für das Winterkolleg durchgenommen*849; ein merkwürdiges Ding, offenbar eine Niederschrift von dritter Hand nach einer Unterhaltung, in welcher Pascal gesprochen. Mitten in Akademisches tiefe Psychologie; unter Konventionelles hinein leuchtende Sätze, aus seinem Geist? Nun ist noch eine halbe Stunde bis zu Tisch. Da will ich Dir über manches schreiben. Zunächst wegen Deiner Reise mit Frau K.*850 Sie läßt Dir sagen, daß alles geordnet ist. Vom 1. Sept. ab ist sie in Ascona. Vom 8. ab bist Du dort jeden Tag willkommen. Die Zimmer sind bereits bestellt. Das Deine wird ganz für sich sein; schön und ruhig. Die Gegend muß, nach allem, was ich höre, ungewöhnlich schön sein. Frau K. bittet Dich nun, alles vorzubereiten. D.h. es ist nur der Paß zu besorgen, mit Schweizer Visum und dem italienischen. (letzteres nimmst Du am besten für 1 Monat; dann ist Spielraum. Der Zeitraum des Visums läuft, gleichgültig, wann es ausgestellt ist, vom Augenblick des Grenzübertrittes an.) Ebenso bestellst Du Dir am besten durch ein Münchener Reisebüro 10 Tage vorher die Fahrkarte samt Platzkarte 2. Kl. ab München, nachdem Du Dich entschlossen hast, ob Du Tags oder Nachts fahren willst. (Vielleicht besorgt Dir Frau Maya Speth alles?) Hier beigeschlossen liegen 300,- Mk. Frau K. bittet Dich, davon alles zu bestreiten; Du möchtest die Einladung als a limine beginnend ansehen. Ich freue mich sehr, daß Du diese schönen Dinge sehen wirst. Du wirst Freude haben. Anfang September treffen wir uns dann irgendwo. Wird mit der Vertretung alles klappen? 849 Vgl. die Vorlesungsankündigung zum WS 1928-29: »Pascal und die religiöse Wirklichkeit«, Montag 18-19 Uhr (M 274). - Aus Guardinis lebhaftem Interesse an Blaise Pascal (1623-1662) entstanden insgesamt 12 Arbeiten. Im unmittelbaren Anschluß an das Wintersemester erschien »Pascals Argument des Glücksspiels« als Teil des Aufsatzes »Logik und religiöse Erkenntnis«, in: SchG 9 (1929), 179-206 (M 290); am wichtigsten wurde Guardinis Buch Christliches Bewußtsein. Versuche über Pascal, Leipzig (Hegner) 1935 (M 436). 850 Fanny Kempner; vgl. den vorangehenden Br. 111. | ||
< | Seite 279 | > |