Romano Guardini Online Konkordanz
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Die Lehre der zwölf Apostel

Vorbemerkung
Pfingsten ist die Geburtsstunde des christlichen Daseins. Christus war gekommen; seine Gestalt, sein Leben und Lehren, sein Sterben und seine Auferstehung waren die Fülle selbst, das Gottesgeheimnis der. Liebe und Gnade, »uns aufbewahrt von Anbeginn der Welt«. Aber diese Fülle hatte »vor« den Menschen dagestanden; getrennt, unerfaßt, unverstanden. Erst mußte »der Verheißene« vom Vater kommen, der Geist, den die Väter nexus nennen, osculum, das Band, den Kuß, und mußte das Geheimnis der Begegnung und Innewerdung wirken. Er mußte den Menschen Sinn und Herz aufschließen, Gottes Fülle ihnen inne machen, sie in das Neue hineinheben. Durch ihn erst geschah es, daß Christus nicht mehr »vor« den Menschen war, sondern »in« ihnen, und sie in ihm.
Aus der ersten Nähe des Geistesherdes leben und wirken die Apostel. Sie sind inspiriert; in ihnen ist »der Hauch«. Sie »säen die Kirche«. Aus dieser unmittelbarsten Geistwirkung entstehen die heiligen Schriften des Neuen Bundes. Um den Anfang schließt sich dann ein zweiter Ring: die frühchristliche Zeit, bis etwa in die Hälfte des zweiten Jahrhunderts reichend; noch ganz vom Geistausbruch der Pfingsten durchbebt. Zeugnis von ihr sind die Schriften der apostolischen Väter: die Didache oder »Lehre der Apostel«; der Brief des Klemens an die Korinther; der Barnabasbrief; die sieben Briefe des heiligen Ignatius von Antiochien an christliche Gemeinden in Kleinasien, in Rom und an Polykarp; der Brief des heiligen Polykarp an die Christen von Philippi; der »Hirt des Hermas«, eine Reihe von Visionen, Weisungen und Gleichnissen; endlich der sogenannte zweite Brief des Klemens an die Römer.

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