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Das Staunen des heiligen Johannes Die Evangelisten erzählen, was sie von Christi Leben aufgefaßt haben. Sie berichten von dem, was er gesprochen, was er getan hat und was ihm widerfahren ist. Sie berichten und lassen nicht leicht etwas von dem spüren, was sie selbst dabei empfinden. Man muß schon leise mitschwingende Töne auffangen, wenn man etwas von dem merken will, was in ihnen vorgeht. Dahin gehört etwa, wenn in des heiligen Markus knappen, von Ereignis und Kraft gespannten Berichten so oft das Wörtchen euthys vorkommt: »und gleich«, »und bald« sagte er, tat er. Man glaubt, das Herz des Erzählenden klopfen zu hören, erregt durch all das Starke und Drängende, was da geschieht. Dahin gehört auch, wenn man aus der Innigkeit der Lukasberichte spürt, wie hier einer aus der Schule des Apostels Paulus spricht, dem ja vor allem das Geheimnis der Jungfräulichkeit und das Geheimnis der Kirche aufgegangen, und der wohl imstande war, seinem Schüler den Sinn für das Mysterium der mütterlichen Jungfrau zu öffnen. Nur einer hat deutlicher merken lassen, was ihm über's Herz kam, während er berichtete, Johannes. Er war nicht jenes sanfte, schmächtige Wesen, als das ihn eine sentimentale Kunst oft darstellt, hat ihn doch Christus »Donnersohn« genannt, und ein andermal ihn schelten müssen, weil er Feuer auf Samaria herabrufen wollte. Johannes hatte ein brennendes Herz und einen großen Sinn. Sein Geist war wach für die Geheimnisse des Pneuma. Als er das Evangelium schrieb, war er ein Greis, fast hundert Jahre alt. Er sah auf eine lange Zeit der Arbeit, des Kampfes und auch der Enttäuschung zurück. Vieles war so ganz anders geworden, als er einst gedacht, sicher zu seinem tiefen Schmerz. Aber sein Herz war nicht gealtert. Und wie er nun schreibt, spüren wir, was er einst empfunden haben muß, als er im Geisteswehen des | ||
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