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Ansprache im Hochamt des Ostertages *33 Ich stelle mir vor, daß unter euch der eine oder der andere wäre, der mir sagen könnte: Die Feier dieser heiligen Nacht war groß, und wir haben erkannt, daß hinter jener geheimnisvollen Handlung das wahre Leben ist, die Wirklichkeit Gottes; aber je größer es war, je tiefer es mich ansprach; je mehr ich begann aufzuwachen, je mehr in meiner Seele sich Kräfte regten, die ich sonst nicht spüre, desto mehr wurde mir auch klar, wie groß der Abstand ist zwischen den heiligen Dingen und Handlungen und dem, was ich bin; zwischen dem Fest, das wir feiern, und dem Alltag, der ich bin. Und so bleibt ein Geschmack der Bitterkeit. Wir wollen an diesem Ostermorgen, da die großen Ereignisse vollendet, und wir noch einmal zusammengekommen sind, gleichsam in einer rückschauenden, besinnenden Weise, versuchen, mit dem Menschen, der so sagt und denkt, ein Gespräch zu führen; einen kleinen Hinweis zu geben, damit er in dieser Richtung nachdenke, und, so Gott es ihm geben will, zur österlichen Freude erwache. Christus der Herr, der heute leuchtend und strahlend vor uns steht, weiß, wie es mit dem Menschen steht; Er »wußte, was am Menschen war« [Joh 2,25]. Er kennt mich doch, wie Er den Petrus gekannt hat, der Ihn dreimal verriet, und Magdalena, die Sünderin. Fragen wir Ihn, den Herrn, und das Evangelium, das von Ihm und Seiner Wahrheit spricht, wie es sich in Seiner Verkündigung mit dem Gutsein des Menschen verhält. Da scheint mir folgendes: Was wir gewöhnlich das Gutsein nennen, das Sittliche, das Ethische, das kennt Christus auch. Er hat gesagt, daß die Mörder und Ehebrecher nicht ins Himmelreich eingehen. Aber ganz selten spricht Er von diesen Forderungen, Er setzt alles, was wir aus uns selbst erkennen können, voraus. Gott hat uns ja mit Erkenntnis geschaffen. So | ||
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