Romano Guardini Online Konkordanz
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Das Bild der Gottesmutter in der
Burgkapelle zu Rothenfels
Eine Ansprache
[1929]

"Der Herr wird seine Gnade schenken und unser Acker seine Frucht tragen" - spricht die Communio des ersten Advent- sonntages aus dem 84. Psalm.

Liebe Freunde!
Unsere Kapelle geht ihrer Vollendung entgegen. Die Arbeit an ihr hat sich durch Jahre hin erstreckt. Und es ist dabei nicht nur um ein Werk gegangen, sondern um das Unterpfand einer Hoffnung. Rudolf Schwarz, dem wir die Kapelle verdanken, hat einmal gesagt, die Zeit sei wohl noch nicht gekommen, Gott aus dem, was heute lebt, einen Tempel zu bauen. Die "Kammer Gottes" zu richten, das sei uns zugewiesen. In diesem Wort ist wohl ausgesprochen, was denen im Sinn lebte, die sich um die Kapelle bemüht haben - und was, so hoffen wir, jeden anrühren wird, der mit offenem Sinn in sie eintritt.
Ihre Wände sind ganz frei. Sie umschließen und hüten, aber sie engen nicht ein. Hinter dem milden Elfenbein ihrer Farbe öffnet sich innig-weiter Raum.
Der Altar hat ganz wahrhaftige Gestalt. Klar ist jede seiner edlen Formen. Und in der reinen Kühle des Silbers, das ihn umhüllt, webt eine heilige, keusche Fülle.
Von der Decke hängt der Lichterreif. Wenn die Kerzen brennen, und ihre warmen Flammen sich im gleitenden Leben seines Silbers spiegeln, dann werden Augen und Herz froh.
Und die Fenster, von Anton Wendling geschaffen, schließen mit zurückhaltender und ein wenig schwermütiger Kühle die heilige Kammer ab von der bunten Welt.

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