![]() | Treffernummer: |
< | Seite 176 | > |
Heilige Gestalt Von Büchern und mehr als von Büchern [1924] Was geht doch vor sich, wenn ein Heiliger heraufwächst? Es geschieht etwas von Christus her. Ein Mensch hat sich Christus ganz zur Verfügung gestellt; und der hat ihn hereingezogen in den besonderen schöpferischen Bereich seiner geschichtlichen Selbstauswirkung. Daß Gott persönlich in die Geschichte eingetreten, ist deren religiöser Sinn. Bevor es geschah, war sie Vorbereitung darauf; nachdem es geschehen, Auswirkung. Daß Christus in uns lebe, sich offenbare im wirklichen Menschen und seinem täglichen Leben, das ist Gottes Reich. Und um so stärker ist Gottes Reich, je voller "Christus gebildet wird in uns." Denn wo Christus lebt in Tat und Wahrheit, geschieht des Vaters Wille. Aber es gibt Unterschiede in Christi Selbstoffenbarung, des Maßes und des Ranges. In jedem offenbart er sich, der "guten Willens"; bei manchem aber ist's, als ergreife er sie in besonderer Weise. In ihnen geschehen Ursprünge neuer Selbstauswirkung Christi. In ihnen durchbricht das Senfkorn neu den Acker des Menschengewächses. Das sind die Heiligen. Sie sind nicht bloß dem Maße nach mehr als andere, sondern etwas Neues geschieht in ihnen: der schöpferische Durchbruch einer neuen Selbstauswirkung Christi im Menschen. So erscheint der Heilige, wenn wir ihn von Gott her betrachten. Vom Menschen her bedeutet er dieses: das Durchbrechen Gottes ist zugleich Weg für den Menschen. Heilige sind neue Wege durch unbeschrittenes Land. Der Heilige ist auf die Gemeinschaft bezogen, auf die Menschheit, auf die Kirche. Heilige stehen nicht nur in der Geschichte, sondern schaffen heilige Geschichte. Sie sind neue Wege, aus neuen Zeiten heraus, und für neue Verhältnisse. Der Möglichkeitsbereich der Heiligkeit | ||
< | Seite 176 | > |