Romano Guardini Online Konkordanz
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»Das Interesse der deutschen Bildung an der
Kultur der Renaissance ... «
[1911]

1.
Vor einiger Zeit erschienen bei Diederichs in Jena zwei Obersetzungen: Matarazzos Chronik von Perugia und eine Auswahl aus Petrarkas Schriften. *1
Die Chronik des Humanisten Matarazzo umfaßt die Geschehnisse aus den Jahren 1492-1503, um mit dem 9. September 1503 abzubrechen, da, wo irgend ein Eingriff den Kodex verstümmelte. Eine Einleitung der Herausgeberin stellt den historischen Zusammenhang her und schildert eingehend peruginisches Leben.
Das Buch ist eine oft umherspringende Erzählung der bunten, meist kriegerischen Ereignisse jener Jahre, manchmal recht weitschweifig und wieder zusammenhanglos. Ref. muß gestehen, daß ihn nicht selten bloß die Gewissenhaftigkeit des Beurteilers bei der Lektüre festhielt. Recht warm wird man erst, wenn die berühmte Schilderung der Bluthochzeit der Baglionen beginnt. Jedenfalls scheint das Urteil, die Chronik »fessele mehr als ein Roman«, doch sehr subjektiv. Sie hat auch mancherlei degoutierende Einzelheiten. Sie stehen im Ganzen -, nun gut, aber machen doch, daß das Buch nicht für alle bestimmt sein kann. Ähnliches gilt für den historischen Wert dieser Quelle. Es ist eben eine Chronik, mit all der Willkür einer solchen, und zudem von einem Manne geschrieben, der seine Parteilichkeit deutlich genug verrät. Das ist von Bedeutung nicht nur
*1 Francesco Matarazzo, Chronik von Perugia, übersetzt und eingeleitet von Marie Herzfeld (LVI und 258 S.) und Francesco Petrarca, Brief an die Nachwelt; Gespräche über die Weltverachtung; Von seiner und anderer Leute Unwissenheit, übersetzt und eingeleitet von Dr. Hermann Hefele (XXXVIII und 197 S.). Beide Bände reich illustriert. Diederichs, Jena MCMX.

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