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Das Dogma Es gibt Worte, die kaum mehr objektiv gehört werden, weil ihr Inhalt seit langem Gegenstand des Kampfes ist und daher unwillkürlich zur Stellungnahme veranlaßt. Zu ihnen gehört das Wort »Dogma«. Für den zur Klarheit Durchgedrungenen spricht es etwas Ehrwürdiges, Hoheitsvolles, Heilig-Strenges aus – für die anderen hingegen etwas Fremdes, Starres, Gewaltsames, das sie mißtrauisch macht und zur Abwehr veranlaßt. Nun hat das Dogma im Leben der Kirche von jeher eine große Bedeutung gehabt und wird sie immer haben; so wollen wir das Wort aus den Unklarheiten und Verzerrungen des Tagesgebrauchs herausholen, ihm seinen ganzen Sinn geben und fragen, was sein Inhalt im christlichen Dasein bedeute. I. Zuerst muß festgestellt werden, was überhaupt mit dem Wort bezeichnet werden dürfe, denn hier fängt schon die Verwirrung an. Die Neuzeit scheut in religiösen Dingen das klare Ja und Nein und läßt alles im Nebel des Gefühls. So ist für die Tagessprache jede religiöse Aussage, die etwas Bestimmtes meint, es genau ausdrückt und dafür die Wahrheitsverantwortung übernimmt, schon »Dogma«. Damit wird das Wort aber mißbraucht, denn es hat einen ganz genauen Sinn. Und zwar gehört es der Sprache der Kirche an; wenn wir also wissen wollen, was es meint, müssen wir sie fragen. Dann hören wir, daß ein Dogma etwas Besonderes und Seltenes bedeutet, nämlich eine Entscheidung in Fragen des Glaubens, welche die Kirche aus dem letzten Bewußtsein ihrer Verantwortung und mit dem ganzen Gewicht ihrer Autorität vollzieht. Sie bildet immer den Abschluß einer langen Geschichte christlichen Erfahrens und | ||
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