Romano Guardini Online Konkordanz
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42.
Brief vom 22.01.1914, Freiburg.
22.I.14.
Lieber Josef
eben habe ich Deinen Brief nochmals gelesen. Ich kann die Sorge nicht widerlegen, mein letzter Brief könne Dir in etwa weh tun; er fasse etwas zu hart an, was so überaus empfindlich ist; ja ich sorge mich, vielleicht Dich mißverstanden zu haben. Du, gelt, wenn's so ist, dann wirfst Du ihn ins Feuer und läßt Dich nicht dadurch verdrießen? Und wenn's so ist, dann soll das kein Anlaß sein, daß Du in Zukunft Dich etwa scheuest, mir über diese Dinge etwas zu sagen? Ich hebe jeden Brief und jede Mitteilung wie etwas kostbares auf!
Gestern hab ich auch den versprochenen Brief geschrieben, ganz ehrlich, aber doch behutsam. Habe auch ein weiteres Kapitel meiner Diss. geschickt.*334 Mich hats gefreut, daß auch die Stenographie lesbar ist. So habe ich eine wirkliche Erleichterung.
Schreib mir bald wieder, wenn Du Lust hast, und sag alles, gar alles was Du willst. Was soll denn die Freundschaft sein, wenn sie nicht versucht, auch am Schweren teil zu nehmen? Und verzeihs, wenn ich vielleicht einmal nicht mitkann oder fehlgreife. Ich denke sehr oft an Dich. Im Brevier und überall.
In Treuen Dein
Romano.
Bitte herzliche Grüße zu bestellen!
Ruhst Du auch ordentlich? auch innerlich?
Habe gestern als guter Diplomat auch sehr angelegentlich an Tante M.*335 geschrieben. Brauchst gar nichts zu besorgen. Freundlich, meine ich, ohne jedes Eingehen auf irgendetwas.
Dieser Brief ist der dritte, den ich nach Zeil schicke. Sie sind doch alle angekommen? Sag mirs bitte!

334 Beides an Maria Knoepfler.
335 Weigers Tante Margret.

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